awarded with:


       

Archives

  • -

First Generation Ukraine in practice – Nikolausaktion in der Ostukraine

Anfang Dezember fand das First Generation-Treffen von socioMovens Ukraine im Osten der Ukraine statt. Fünf ehemalige Teilnehmer und Teilnehmerinnen von Projektwochen in Lviv und Kyiv verbrachten zusammen mit den Koordinatoren und Koordinatorinnen fünf Tage in verschiedenen Orten in der Ostukraine (Pokrovsk, Slovians‘k), um sich als socioMovens Ukraine vorzustellen, lokale Freiwillige zu treffen, sich mit diesen auszutauschen und vernetzen, um sozial benachteiligten Familien Produkte des täglichen Bedarfs vorbeizubringen und ihren Sorgen und Nöten zuzuhören.

Die ersten beiden Tage verbrachte die Gruppe in Pokrovsk, wo sie die örtliche evangelische Gemeinde trafen, die sich um bedürftige Familien kümmert. Gemeinsam besuchten sie 25 Familien in Dörfern am Rande von Pokrovsk. Die Jugendlichen hatten die Gelegenheit, die realen Lebensbedingungen der Menschen kennenzulernen und zu verstehen, mit welchen Problemen Familien und Einheimische, die nah an der Grenze zu Russland leben, täglich konfrontiert sind. Die Produkte täglichen Bedarfs kommen hier genau an der richtigen Stelle an – das waren Gedanken, die die Jugendlichen vor Ort oft hatten. Anschließend stellte die Gruppe ihre Arbeit als socioMovens Ukraine vor und diskutierte im Rahmen eines First Generation-Abends über zukünftige Ideen und gemeinsame Projekte.

Nach Pokrovsk ging es für die Gruppe weiter in die nächste Stadt: Slovians‘k. Zuvor besorgte Geschenke brachten sie dort Soldaten eines Militärkrankenhauses, welches sie besuchten.

„Das war eine wichtige und emotionale Erfahrung für mich mit den verwundeten Soldaten zu sprechen. Ich glaube ich habe erst jetzt verstanden, was Freiheit wirklich bedeutet.“ (Teilnehmer des First Generation Meetings)

Nach dem Besuch des Krankenhauses gab es ein Abendessen mit Freiwilligen der örtlichen Organisation. Es wurde bis tief in die Nacht diskutiert, welche Probleme die Jugendlichen in dieser Region haben und wie mehr junge Menschen für Engagement und Sozialarbeit motiviert werden können. Hierbei wurden bereits erste Ideen skizziert, sich auch zukünftig in dieser Region einzusetzen. Die Jugendlichen hatten die Gelegenheit, durch Slovians‘k zu spazieren und zu sehen, wie sich die Stadt seit Beginn des Krieges verändert hat. Vor allem aber hatten sie die Gelegenheit, mit Jugendlichen vor Ort zu sprechen und ihre wahren – und herzzerreißenden – Geschichten zu hören.

Junge Menschen in der Ostukraine brauchen mehr soziale Projekte – das wurde dem Team nach diesem First Generation Meetings deutlich. Um hier anzusetzen, sowie sich auch weiterhin in Lviv und Kyiv zu engagieren, sollen in Zukunft mehr First Generation Meetings, online oder offline stattfinden:

“It’s important to do more often First Generation Meetings online or offline, just to talk with each other more often. Like this, we want to encourage more people from last projects to be more engaged into socioMovens in future.” (Olha Sikyrynska, Koordinatorin in Lviv, Ukraine)

Müde, voller Erfahrungen und neuer Ideen haben sich die Jugendlichen wieder zurück in ihre Heimat gemacht. Dass socioMovens gebraucht wird, wurde ihnen bei diesem Projekt umso deutlicher.

Weitere Bilder finden sich in der Galerie.

  • -

SOCIOMOVENS ERHÄLT DEN HANS-WALTER VAVROVSKY-DIALOGPREIS

Am 4. November 2021 wurde socioMovens e.V. der zweite Hans-Walter Vavrovsky-Dialogpreis verliehen. Im Rahmen eines Gesprächsabends mit dem Thema „Solidarisches Europa?“ im Bildungs- und Konferenzzentrum St. Virgil der Erzdiözese Salzburg wurde die ursprünglich für 2020 geplante Preisverleihung nachgeholt. Für socioMovens und Peter Klasvogt ist der Dialogpreis nach der Verleihung des Konstanzer Konzilspreises im Jahr 2017 die zweite europäische Auszeichnung.

„Eine Kirche muss offen sein, auch für Andersdenkende und eine Kirche, die offen ist, muss auch damit rechnen, dass sie Schwierigkeiten bekommt. Aber es gibt keine Alternative zum Dialog, der konstruktive Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft im Blick hat.“ – Mit diesen Worten beschreibt der Stifter des Salzburger-Dialogpreises, Hans-Walter Vavrovsky, seine Vision von Kirche. Eine Kirche, für die sich nach Überzeugung der Jury des Dialogpreises auch socioMovens mit seinem jugendsozialen Netzwerk für Mittel- und Osteuropa vorbildlich einsetzt. Die Initiative versteht es, „in einer neuen europäischen Generation das Engagement und die Begeisterung für den Aufbau gerechter Strukturen, für die Humanisierung des Zusammenlebens und für Freundschaften jenseits aller Ländergrenzen zu wecken.“ Damit entspricht sie den Kriterien des Dialogpreises in doppelter Weise: durch den europäischen Kontext und die dialogische Offenheit für Kirche und Gesellschaft.

Diese Kriterien europäischen Engagements waren auch das Thema der Podiumsdiskussion anlässlich der Preisverleihung. Der bekannte ehemalige EU-Parlamentarier Elmar Brok, die österreichische Bundesministerin für Europa und Verfassung Karoline Edtstadler, Preisträger Prälät Dr. Peter Klasvogt und der Moraltheologe Prof. em. Dr. Günter Virt diskutierten über die Solidarität in Europa. Wie gehen wir mit Geflüchteten um? Was heißt es eine Werteunion zu sein? Wie begegne ich meinen Nächsten? Trotz manchmal unterschiedlicher Akzentsetzungen waren sich alle einig: Solidarität beginnt im Kleinen und vor Ort.

Im Rahmen der Preisverleihung tagte auch der erweiterte Beirat von socioMovens, um die bisherige Arbeit auszuwerten und sie zukünftig durch die Gründung einer Stiftung weiter auszubauen. Spannend und informativ war das Gespräch mit dem früheren Rektor von St. Virgil und aktuellem Rektor des Päpstlichen Instituts Santa Maria dell’Anima in Rom, Dr. Michael Max. Er referierte zum Verhältnis von Staat und Kirche. Zunächst stellte er den historischen Hintergrund des Österreichischen Bürgerkrieges 1933/34 vor und erläuterte dann das aktuelle Verhältnis zwischen der Kirche und der österreichischen Bundesregierung am Beispiel der Herausforderungen der Covid-19-Pandemie. Der Salzburger Erzbischof Dr. Franz Lackner gratulierte socioMovens herzlich zur Preisverleihung und ging in der Begegnung mit ihm auf die Bedeutung christlich-sozialer Initiativen in der Erzdiözese ein. Erzbischof Lackner hob nochmal hervor, was Lucia Greiner, Leiterin des Seelsorgeamtes der Erzdiözese Salzburg, schon in der Laudatio zur Preisverleihung betont hatte. Die Frage nach dem zukünftigen Zusammenleben in Europa findet nur eine Antwort, „wenn wir die ‚sozialen Leidenschaften‘ in uns fördern und ihnen zeitgemäße Orte zeigen, wo sie sich entfalten können. Dabei müssen gerade das Selbstbewusstsein junger Menschen und ihr besonderes Potential an Gemeinsinn gefördert werden. SocioMovens geht genau diesen Weg und ist damit Vorbild für weitere Initiativen.“

Im Namen von socioMovens bedanken wir uns sehr herzlich für diese große Auszeichnung und die gelungene Preisverleihung. Weitere Bilder des Events finden sich in der Galerie.

 

 

 

  • -

Internationale Koordinatoren-Schulung – “Gemeinsam die Zukunft von Europa gestalten”

Mehr als 20 Koordinatoren und Koordinatorinnen aus Mittel- und Osteuropa trafen sich vom 21. bis 24. Oktober 2021 auf der Fazenda da Esperança „Gut Neuhof“ für eine gemeinsame Schulung, die dank der Förderung der AKSB und Evonik ermöglicht wurde. Gemeinsam wurden die Entwicklungen der letzten Jahre reflektiert, an einer Präventionsschulung teilgenommen und Visionen für die Zukunft von socioMovens e.V. entwickelt.

Besonders war, dass neben den sich bereits länger engagiernden Koordinatoren und Koordinatorinnen auch einige ehemalige Teilnehmende von Projektwochen, die sich mittlerweile auch für socioMovens engagieren, bei der Schulung dabei waren. Mit der internationalen Koordinator:innen-Schulung konnten sich viele von ihnen erstmals vor Ort treffen und sich fortbilden. Verantwortliche aus Kroatien, Polen, Rumänien, der Ukraine und Ungarn waren angereist, um gemeinsam den Geist von socioMovens zu leben und ihre Erfahrungen zu teilen.

Die Tage waren jeweils gerahmt von einer Heiligen Messe und einem Austausch über das Tagesevangelium am Morgen sowie einer Reflexion am Abend. Am Donnerstag stand vor allem das Ankommen und gegenseitige Kennenlernen auf dem Programm. Am Freitag wurden von Sandra Knoblich die Ergebnisse einer quantitativen Evaluation unter den Koordinator:innen vorgestellt, die in den vergangenen Monaten durchgeführt wurde. Auf Basis dessen wurde sich intensiv mit der Rolle als Koordinator:in auseinandergesetzt. Prälat Dr. Peter Klasvogt gab in seinem Vortrag zum Thema Servant Leadership wertvolle Impulse, wie eine Leitung nationaler Projekte aussehen könnte. Im Anschluss an das Mittagessen wurde die Gruppe über die Fazenda geführt und es kam zu einem intensiven Austausch mit den Bewohner:innen. Außerdem stellten die ersten Koordinator:innen ihre nationalen Projekte vor, bevor es am späten Nachmittag nach Berlin ging. Eine kleine Stadtführung durch das regnerische Berlin mit anschließendem Abendessen ermöglichte dann noch den einen oder anderen Einblick in das Hauptstadtleben.

Am Samstag stand die Präventionsschulung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt für die Arbeit mit jungen Erwachsenen im Mittelpunkt. Stefan Beckmann, Referent der Koordinationsstelle Prävention des Erzbistums Paderborn, vermittelte die notwendigen Kenntnisse und ging auf die nationalen Herausforderungen ein. Die restliche Zeit bis zum Abendessen wurde genutzt, um die Präsentationen der nationalen Gruppen fortzusetzen. Davon ausgehend wurden bis in den späten Abend hinein weitere Entwicklungsschritte skizziert und sich ausgetauscht, um den Herausforderungen vor Ort zu begegnen.

Erfüllt von dem gegenseitigen Austausch, etwas müde und mit vielen Ideen im Kopf wurden am Sonntag die Teilnehmer:innen verabschiedet. SocioMovens wird gebraucht, erst recht jetzt zum Ende der Covid-19-Pandemie und das nächste Highlight mit dem internationalen Jugendtreffen Ende Juli 2022 in Krakau ist schon in Sicht; „darauf freuen wir uns!“ – da waren sich alle einig.

Anmerkung: Weitere Fotos finden sich in der Galerie.